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Ich bin Jahrgang 1973 und mit Geburts- und aktuellem Wohnort Langenfeld das einzige nördlich von Köln lebende Mitglied der Freizeitreiter Rheinland. Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich BWL studiert, vier Jahre davon in den USA, und arbeite in Düsseldorf als Personalleiterin bei einem konzernangehörigen Mittelständler (hört sich toll an, oder?).
Zu mir gehören neben meinem Mann Colin, manchmal als Equipment Manager mit dabei, unser zwei BKH-Katzen Jana und Paddy und unser Haflingerwallach Henry.
Als ich Henry 2001 siebenjährig kaufte, hatte er noch keinen Equidenpass und ich liess ihn auf den Namen „Semper Fi H.“ eintragen. Kurz für semper fideles (lat., immer treu) ist „Semper Fi“ u.a. das Motto der US Marines und wird auch frei mit „allzeit bereit“ übersetzt. Und dieser Name ist bei Henry Programm – seit 2001 bis heute.
Als ich Henry kaufte, wollte ich ein Freizeitpferd Marke Aufsitzen-ausreiten-fertig. Und obwohl ich in den vier Jahren in den USA für einen Pferdehändler geritten habe und beim An- und Verkauf von unzähligen Jagd- und Springpferden beteiligt war, habe ich mich so richtig über den Tisch ziehen lassen. Aber man bekommt immer das Pferd, das man verdient. In meinem Fall hieß das „hengstiger, schlecht ausgebildeter Rüpel“ - kurz: Problempferd. Andere machen eine Ankaufsuntersuchung, ich habe erstmal einen Drogen- und Hormontest machen lassen, denn das „allzeit bereit“ war wirklich Programm, vor allem wenn Stuten in der Nähe waren. Nach einem sehr unschönen Anfang (der Metzger war eine echte Alternative) waren dann nach ein paar Wochen Umstände geschaffen, in denen wir beide endlich anfangen konnten, miteinander zu arbeiten. Dank der vier Jahre USA, wo ich auch von echten Horsemen abgucken konnte, hatten wir einige Dinge in wenigen Tagen ausdiskutiert. Offensichtlich hatte ich beim Pferdetraining besser aufgepasst als beim Pferdean- und verkauf. ;-)
Seitdem haben wir viel dazugelernt und auch einige Grenzen ausgelotet. Ich reite Henry zwar mit einem Westernsattel, orientiere mich aber immer mehr in Richtung Dressur und möchte mich weder auf das eine noch das andere festlegen lassen. Henry's Westernturnierpferd-Karriere war in dem Moment zu ende, als ich in einer Pleasure Class (Startgeld € 15 für 3 Minuten mit 20 anderen Reitern im Kreis reiten) in der Galoppphase eine andere Reiterin mindestens 5x überrundete. Dann bin ich über Allround-Turniere gestolpert und habe ich mich in Richtung Breitensport orientiert – bin aber eigentlich für alles, was schneller als Trab ist und Sprünge beinhaltet zu schissig. Ich muss zugeben, dass ich einfach gerne Turniere reite, mein Pony diese Vorliebe jedoch nicht wirklich teilt und im Turnier nur einen Bruchteil von dem zeigt, was er eigentlich drauf hat. Ein Schleifensammler ist er wirklich nicht, aber da müssen wir beide durch – mir reicht es, einfach teilzunehmen und er muss nun mal irgendwie sein Pferdemüsli verdienen. In Warendorf habe ich dann Festivals für mich entdeckt (Henry ist der Haflinger mit der Paddock-Version von Alkatraz mit 4-fach Breitbandlitze, wenn er nicht sicher verpackt in einer Hengstbox steht). Mittlerweile geben wir uns mit GHP-Noten unter „sehr gut“ nicht mehr zufrieden und sogar Rallyes kann ich mitreiten - durch Franca's netten Rallyepartnervermittlungsservice bin ich so auch zu den Freizeitreitern gelangt. Was Henry zum echten Allrounder noch fehlt ist einen Basis-Ausbildung im Fahren und ich sollte endlich mal vernünftige Springstunden nehmen. Aber wir haben ja noch ein paar Jahre.
So gesehen ist sein Namensmotto immer noch zutreffend: fast alles geht, aber nichts davon ist selbstverständlich, sondern geduldig mit Konsequenz und Vertrauen auf beiden Seiten erarbeitet. Man bekommt eben doch immer das Pferd, das man verdient. Und meines hat in diesem Jahr zum ersten Mal als Martinspferd den Martinszug von der Grundschule um die Ecke angeführt. Ohne Doping! Was will man mehr?
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